Microbrands im E Commerce

Wie Microbrands den etablierten Marken ihre Kunden abjagen

Kleine Marken, großes Wachstum

Microbrands sind kleine, schnelle und höchst digitalaffine Marken, welche sich in der Regel auf ein einzelnes Produkt, beziehungsweise ein klar umrissenes Segment konzentrieren.  Dahinter stecken oftmals Startups oder Influencer. Diese jungen und agilen Brands jagen den alteingesessenen Marken Kunden ab und nehmen immer mehr Marktanteile ein. So machen etwa die Koffer von Horizn Studios Samsonite zu schaffen, die Fertigsuppen von Little Lunch erobern Regale, die vormals Maggi vorbehalten waren, und die Uhren von Kapten & Son ticken gegen Junghans.

Was Microbrands besser machen

Das Erfolgsrezept der Microbrands besteht aus mehreren Zutaten. Zum einen bewegen sie sich im digitalen Umfeld sehr sicher und beherrschen die Markenbildung dort mühelos. Ein schlauer Mix aus digitalem Marketingkanälen wie bei Kapten & Son ist beispielhaft: 740.000 Instagram-Follower hat der 2014 von drei Studenten gegründete Uhrenhersteller gewonnen, indem er als einer der ersten in Deutschland auf Influencer-Marketing setzte. Er heuerte kleinere Influencer für Produktempfehlungen und größere für Branding-Kampagnen an. Heute vermarktet Kapten & Son seine Produkte auch via Newsletter, Facebook, Snapchat, Twitter und Youtube.

https://www.instagram.com/p/4JMNkMsCEH/?utm_source=ig_embed

Zum anderen nutzen Microbrands in der Regel die Vorteile, die sich durch Ausschaltung des Zwischenhandels ergeben, gut aus. Im Gegensatz zu etablierten Marken müssen sie keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten vorhandener Vertriebsstrukturen nehmen. Sie verkaufen direkt im Onlineshop, auf Marktplätzen oder in sozialen Netzwerken an Endkunden, sind aber auch offen für Direkteinkäufer großer Ketten. Dies spart Vertriebskosten und hält die Struktur flach.

Eine weitere Zutat ist die absolute Kundenzentriertheit der Microbrands. Die US-Microbrand Allbirds etwa will den bequemsten Schuh der Welt herstellen. Aufgrund von Kundenfeedback in Mails und Bewertungen hat der Hersteller mehrfach Nähte versetzt oder das Material angepasst – und zwar innerhalb kürzester Zeit: So haben sie ein Modell acht Mal in ein einem Jahr überarbeitet. Etablierte Marken sind meist nicht so nah am Kunden, dass deren Feedback in mehreren Iterationsstufen innerhalb eines Jahres umgesetzt werden könnte.

Microbrands sind zudem beweglicher und müssen sich nicht dem Druck von großen Mitbewerbern widersetzen. Ihre kleine Größe ist hierbei der entscheidende Vorteil. Bevor etablierte Marken die konkurrierende Minimarke bemerken, ist es oft schon zu spät: Das Startup Little Luch etwa vertrieb zuerst in einem schnell aufgesetzten Onlineshop Fertigsuppen im Abo. Inzwischen sind die Suppen und Smoothies in vielen Supermärkten und Drogerien zu finden und nehmen Maggi Marktanteile ab.

Microbrands Supermarkt
Microbrands wie Little Lunch erobern die Regale in Supermärkten

Was  Onlinehändler von Microbrands lernen können

Nicht alles, was Microbrands auszeichnet, ist etablierten Händlern fremd. So beherrschen die Meisten zwar die Nutzung der digitalen Kanäle, doch beim Thema Emotionalisierung kann sich der eine oder andere noch etwas von den Microbrands abschauen. Noch wichtiger ist allerdings, dass sich anhand der Microbrands ein Trend studieren lässt, der dem Onlinehandel ebenfalls blüht: das Ende des sogenannten Private-Label-Marktes. Es reicht deshalb nicht mehr aus, sich selbst zur Marke zu machen. Auch die beliebte Strategie, minimale Änderungen an Standartprodukten vornehmen zu lassen und dann diese White-Label-Produkte selbst zu labeln und zu verkaufen ist längst nicht mehr von nachhaltigem Erfolg gekrönt – wenn sie es je war.

Händler müssen selbst zum Hersteller werden: Dieses Credo kann der Onlinehandel aktuell hervorragend an den Entwicklungen der Microbrands nachvollziehen. Die Produktion selbst zu kontrollieren, ist deshalb in vielen Branchen ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Zukunft. Es sichert Innovation, hilft dabei, kundenzentriert zu agieren und differenziert entscheidend von anderen Marken und Händlern.

Onlinehändler verfügen wie Microbrands oft über eine Nähe zum Kunden, die großen Marken fehlt. Diesen Vorteil sollten sie für die Produktentwicklung nutzen, um den Nutzen eines Produktes gemeinsam mit den Kunden zu erörtern und zu optimieren. Nur wer ganz dicht an diesen dran ist, kann schnell Innovationen entwickeln, ganz nach dem Vorbild von Allbirds. So kann Unzufriedenheit bei den Kunden verhindert und bares Geld gespart werden.

Quellen

https://kapten-son.com/de

https://www.gruenderszene.de/allgemein/kapten-son-instagram-powerseller?interstitial

https://littlelunch.de/

https://www.allbirds.com/

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